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-Sie betonen die Rolle des berühmten "Human Factor". Wann ist die Technisierung von Sicherheits- und Überwachungsaufgaben kontraproduktiv? <!--/iv_frage_text-->

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<!--iv_antw_name-->-Stefan Strohschneider:<!--/iv_antw_name--> <!--iv_antw_text--> Die erste Frage ist – kontraproduktiv für wen? An der Debatte über den Terahertz-Scanner wird das sehr deutlich. Diejenigen, die in unserer Gesellschaft Überwachungsaufgaben übernehmen und mit solchen Geräten arbeiten müssen, definieren ihre Aufgaben nicht selbst. Das Grundproblem ist doch, dass hier Menschen für 7 Euro 51 Cent in der Stunde Sicherheit herstellen sollen. Sie sind nicht richtig ausgebildet und oft nicht besonders motiviert.

Ein Berufsfeuerwehrmann oder eine Berufsfeuerwehrfrau hat eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen und ist Mitglied einer sozialen Gemeinschaft mit einer ausgeprägten professionellen Identität. Solche Nutzer haben sehr genaue Vorstellungen darüber, welche Geräte sie möglicherweise benötigen könnten. Gepäckkontrolleure an den Flughäfen haben keinerlei Möglichkeiten, aus ihrer Ausbildung, Bezahlung oder Gruppenzugehörigkeit heraus irgendeine Art von Identität oder Professionalität zu entwickeln. Wie gehen sie psychisch mit einer Situation um, in der sie unterbezahlt und gelangweilt und gleichzeitig überfordert sind?

Sie können schon aus psychohygienischen Gründen gar nicht ihre gesamte Aufmerksamkeit ihrer Aufgabe zuwenden. Sie tagträumen und driften weg, sie beschäftigen sich gedanklich mit anderen Dingen. Sie achten darauf, dass bei der Arbeit wenigsten ihr Bedürfnis nach sozialen Kontakten befriedigt wird. Man kann als Fluggast in der Warteschlange ja schön beobachten, worauf die Leute wirklich achten – nicht auf uns, sondern auf einander. Ihnen immer elaboriertere Technik an die Hand zu geben, ändert an dieser Situation überhaupt nichts. Aus der Human Factor-Perspektive ist der Terahertz-Scanner irrelevant.

Die ethischen und gesellschaftlichen Probleme sind damit natürlich nicht angesprochen. Aus dem Bereich der Videoüberwachung in Parkhäusern wissen wir, dass die Anwender, die stundenlang schwarz-weiß verpixelte Monitore betrachten müssen, alle irgendwie interessanten Szenen archivieren. Unter Parkhauswächtern kursieren dann Best-of-CDs, auf denen man dann die tollsten Kussszenen anschauen kann. Der Terahertz-Scanner wird solchen Praktiken eine neue Dimension hinzufügen.

TP: "Aus anthropologischer Sicht nichts anderes als Regenzauber"
Reposted byekeliaskrekk02mydafsoup-01

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Schweinderl